07.09.-22.09. ITA-CRO-MNE-ALB-SLO Teil 4
15.9. Split – Dubrovnik – Kotor
beim tanken in Split
7.30 Uhr klingelte der Wecker, denn man wollte genug Zeitpuffer haben um die 3 Grenzübertritte zu überstehen, da 16 Uhr das Spiel in Montenegro stattfinden sollte. Die 300km schaffte man dann auch in geschmeidigen 5 Stunden, wobei die Grenzbeamten auch „Sonntagslaune“ hatten und keine größeren Kontrollen machten. Die Landschaften wurden nun auch immer phänomenaler, da der Kontrast Berge-Meer sich immer krasser darstellte. Eigentlich wollte man den Hauptteil über Bosnien fahren, sah dann aber, dass die M8 entlang der Küste nicht zu viel Zeitverlust darstellte.
Dubrovnik
Kurz vor Kotor hatte man die Möglichkeit mit der Fähre überzusetzen, entschied sich aber weiter entlang einer kleinen Bucht zu fahren,was in etwa 20 Minuten Zeitverlust brachte, also zu verschmerzen war und man die ganzen Küstenorte betrachten konnte.
Der Grenzabschnitt wirkte in Montenegro wie fast überall etwas dreckig und unorganisiert, was sich aber dann in den Touristenorten wieder änderte. Kotor zählt übrigens zum Unesco-Weltkulturerbe, was zum Sonntag reichlich Busse mit Rentnern anlockte. Da man noch keine Unterkunft hatte, ging es weiter an der Küste entlang in den Vorort Muo, wo auf der Straße geradeso 1 Auto Platz hatte. Deswegen auch die Fähre um sich den ganzen Weg durch die enge Küstenstraße zu sparen. 3-4 Apartements wurden abgeklappert, wo mal keiner da war oder der Preis von 80€/Nacht eindeutig zu „fett“ war. Im ersten Hotel hielt man auch an, was eher einer Geistervilla glich und die Rezeptionsdame eher wie die Küchenhilfe aussah und nur serbisch verstand. Angeblich war auch ALLES ausgebucht, jedoch sah man nicht einen einzigen Gast. Wer unseren „harten“ Euros nicht haben will, hat halt Pech. 500m im Hotel „Bokeljski Dvori“ wurde man dann nach einer Stunde fündig, wo man für 23€ Nacht pro Person inkl. Frühstück eincheckte.

15.09. FK Bokelj Kotor – OFK Igalo 1:0
Anpfiff in der 2. Montenegrinischen Liga war 16 Uhr und dazu noch kostenneutral. Laut Europlan mit 5000 Plätzen deklariert, dürften aber nur 2000-2500 Leute hier Platz finden, da nur eine Seite ausgebaut war mit 13 Stufen und der Rest des Platzes nicht betreten werden durfte. Das Auto wurde auf einem naheliegenden Parkplatz abgestellt und man stand nun vor einem verschlossenen Tor zum naheliegenden Kunstrasenplatz mit 2 anderen Typen, die auch rein wollten. Diese machten nun ein wenig „Rabatz“ und ein Offizieller ließ uns zum Tor rein inkl. Handschlag und geleitete uns auf die Tribüne mit etwas Kletterkünste. Dort hatten sich auch an die 150 Leute versammelt, die ein doch recht interessantes Spielchen sehen sollten. Bei knapp 30 Grad setzte man sich auch auf die Traversen und gönnte seiner Haut ein paar Pigmente. Zur Halbzeit stand es 0:0 und man gönnte sich auf einer Nebenstraße vorm Stadion am Kiosk eine Cola für 0,80Cent. Der 2. Abschnitt hatte es nun in sich: die Heimelf permanent am Anrennen auf das gegnerische Tor, jedoch wollte irgendwie das Tor nicht fallen. Kotor schaffte dann tatsächlich den Ball ins Netz zu hauen, aber irgendwie hatte der Linienrichter was dagegen oder er hatte für die Gäste im örtlichen Wettbüro getippt, und hob gekonnt die Fahne wegen eines angeblichen Handspieles, was nun den Volkszorn auf sich zog. Wir waren natürlich voll der Meinung des einheimischen Pöbels, denn das Tor war schon regulär. Gut das auch ein paar Bäume existierten mit einer Art Frucht, die nun permanent als Wurfgeschoss genutzt wurde um den Linienrichter für seine Fehlentscheidung zu bestrafen.
Das Spiel wurde nun unterbrochen und als der Platz vom Obst beräumt war, ging es endlich weiter. Die Heimelf mit absoluten Siegeswillen und „Jetzt erst Recht“-Mentalität schaffte es in der Nachspielzeit wirklich noch den Siegtreffer zu erzielen, was alle ausrasten ließ und nochmal zum Plündern der Obstbäume führte. Zahlreiche Wurfgeschosse verfehlten den Linienrichter nur knapp, was den Schiri noch einmal zu einer Unterbrechung zwang. Nun die schwere Frage: Spielabbruch oder noch schnell die 2 Minuten spielen lassen? Nachdem dann etliche Offizielle auf die Zuschauer einredeten und der Platz erneut beräumt war, ließ der Schiri das Spiel dann doch noch regulär beenden bevor es zur totalen Eskalation gekommen wäre. 2. Liga Montenegro, da erlebt man was.

Der Abend wurde nun im hoteleigenen Restaurant bei einem üppigen Mahl beendet, wo man für Getränke, Vorspeisen und Hauptgericht inkl. Trinkgeld 25€ bezahlen durfte.

16.09. Kotor
Da es früh die ganze Zeit regnete, ging man den Tag eher gelassen an und machte nach dem Mittag nach Kotor um die historische Altstadt zu bewundern. Kotor zählt als Haupttouristenziel in Montenegro, da es idyllisch an einer Bucht liegt und von den fast 2000m hohen Bergen umschlossen wird. Besiedelt wurde die Gegend früher von Griechen und Römern und Kotor an sich mehrmals aufgrund seiner strategischen Lage und deren Wirtschaftsstandpunkt mehrmals angegriffen und zerstört. Dadurch wurden die Stadt stark befestigt und eine Mauerkette über die Berge gezogen. 1979 wurde die Stadt durch ein Erbeben schwer beschädigt und bis 1989 wieder aufgebaut. Durch die anhaltende Begehrtheit bei Touristen sollten unkontrolliert Hotels gebaut werden, was dann aber wieder abgeblasen wurde um nicht von der Liste der Unesco-Liste gestrichen zu werden.
Hotel "Fjörd" überall in der Stadt ausgewiesen
17.09. Kotor-Petrovac na moru
Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es entlang der Küste ins 45 km entfernte Petrovac na moru. Am Anfang hatte man zwar noch etwas Orientierungsschwierigkeiten, sicherte sich dann aber in der Nähe des 400m langen Strandes ein Hotel für 25€ mit Halbpension. Pertovac sollte früher mal ein ruhiges Fischerdorf gewesen sein, was dem Tourismus „frei“ gegeben wurde und somit fast jeglichen Charme verloren hat. Man sagt zur Zeit kommen 8 Betten für Touristen auf einen Einwohner (zur Zeit ca. 1400). Man kann nur erahnen, was im Hochsommer hier los ist, wenn sich die Leute am kleinen Strand wie die Ölsardinen räkeln.
Sveti Stefan - 8km vor Petrovac na moru
18.09. Ausflug nach Albanien
Für die etwa 60km nach Shkoder plante man 3 Stunden ein, da man die Wartezeit an den Grenzen nicht einschätzen konnte. Nach reichlich Kartenstudium, da „Tom“ nur einen Weg über Podgorica auf dem Radar hatte, sollte das ganze Unterfangen eigentlich kein Problem darstellen, eigentlich. Die ersten Kilometer sollten dann auch geschmeidig von statten gehen, jedoch wollte man in Celuga einfach nicht die fette Hauptverkehrsstraße, laut Reiseführer, an die Grenze nach Sokubin finden. Mehrmals hin und her gefahren und einheimische gefragt, die immer nur auf die Berge zeigten. Mehrmaliges fluchen und noch mehr Autowenden ließen dann einen schon zur Verzweiflung bringen und die Minuten als Puffer flossen vor dem offenen Auge nur so davon. Also rein nach Instinkt in Richtung Berge gefahren und teilweise 25-30km nur auf einspurigen Straßen verkehrt. Bergdörfer wurden hinter einem gelassen, wo Kühe und Esel die Fahrbahn kreuzten und irgendwie kam man auch ohne Hinweisschilder dann in Kruta auf der eigentlichen Straße an. Keiner wusste was man falsch gemacht hatte, aber wenigstens war man nun auf der Straße in Richtung Grenze. Der Grenzübertritt wurde dann auch sportlich in 10 Minuten absolviert und nach Shkoder gefahren. Der Grenzabschnitt überdurchschnittlich stark verdreckt und schon ärmlich, was sich bis Shkoder dann aber besserte. Der erste Eselkarren kam einem dann auch schon entgegen, was man Bild von Albanien hier auch wieder darstellte. In Shkoder wechselte sich dann krass der Vergleich mit protzigen Bauten und der Verarmung gleich daneben ab, wo Kinder dann zum x-ten Mal einen Müllhaufen durchwühlten. Wir orientierten uns dann aber zuerst den von weiten schon zu sehenden „Loro-Boriçi-Stadion“, was das 2. größte in Albanien ist. Dank der 3 Stunden Planung war man dann auch 20 Minuten vorher am Stadion.
18.09. FK Vllaznia Shkoder – FK Tirana 2:0
Für das Erstligaspiel sollten 400 albanische Lek berappelt werden, was in etwa 2,85€ sind. Beim Kartenkauf wurde man auch gleich von einem älteren Herren in gutem Deutsch angeredet, da er wissen wollte, wo wir denn her sind. Als Ausländer inkl. einer Dame an der Hand fällt man hier recht unschwer auf. Er war aus Montenegro und fährt irgendwie jedes Heimspiel von Shkoder. Früher war er Koch in einem Restaurant und konnte dadurch so gut Deutsch. So entwickelte sich doch ein recht nettes Gespräch und überbrückte die Zeit zum Anpfiff. Interessant auch, dass der Herr auch recht stark auf die Flut der Russen schimpfte die Montenegro zur Zeit „heimsucht“. Die Deutschen waren ihm weitaus sympathischer, obwohl ich persönlich schon mehrmals auch bei Deutschen das „Fremdschämen“ verspürte. Nun aber zum Spiel. Das Stadion bietet in etwa 14000 Zuschauern Platz, was auch bei den meisten Quellen so angegeben wird. Dazu gibt es dann auch noch Zahlen bis an die 20000 Zuschauer. Beim Anstoß von 14 Uhr fühlte sich das Stadion doch recht gut, wobei man am Ende wohl von 4000 Zuschauern sprechen kann. 15 Minuten vorm Anpfiff kam auch die Heimgruppe geschlossen ins Stadion und lief begleitet von der örtlichen Miliz zu ihrem Standpunkt in der Kurve gleich neben der Gegengerade und begann dann auch gleich zu singen. Hatte man so jetzt auch nicht
erwartet. Das gleiche vollzog sich dann mit den Gästen, die dann etwa einen Haufen von 60 Leuten stellte und 10 Minuten nach Anpfiff entlang der Haupttribüne in den Gästeblock geführt, was zu mehreren vulgären Gesten des Heimmobs führte. Die Gäste zogen nun mit Trommeln nun auch ihre Show ab, was zu gefallen wusste. Auffallend vor allem hier im Stadion, dass alle enorm emotional bei Aktionen abgingen und teilweise lautstark kommentierten. Dazu kommt das etwa 99% aller Zuschauer Männer sind, was Theresa dann doch zu einem Exoten werden ließ. Die Heimelf in allen Belangen besser aufgestellt und konnte beflügelt durch eine frühe rote Karte für die Tiraner das Spiel ungefährdet 2:0 nach Hause fahren.
Nach dem Spiel hatte man nun weniger Orientierungsschwierigkeiten, da man sich an den Auspuff eines Autos aus Bar heftete und diesem gekonnt durch die Berge folgte, um dann wieder auf unsere Hauptstraße zu stoßen nach Petrovac ohne eine Umweg über Ulcinj zu fahren. Bei knapp 28 Grad gönnte man sich dann noch eine Abkühlung in der Adria bei gutem Wellengang.